Die Macht der Worte

in 02.2017/Kolumnen von

„Wird mich denn niemand von diesem aufrührerischen Priester befreien?“ Dieser kleine Wutanfall von Henry II. von England, ging in die Geschichtsbücher ein. Vier seiner Ritter interpretierten das Geschrei nämlich als Aufforderung eben diesen aufrührerischen Priester endgültig aus dem Weg zu räumen, ritten nach Canterbury und schlugen dem armen Kerl kurzerhand den Schädel ein. Nur war es eben nicht irgendein Priester, sondern der Erzbischof von Canterbury, Thomas Becket, der Henry sogar noch im Tod Ärger bereitete. Der Papst war nämlich verständlicherweise nicht besonders angetan davon, dass Henry einen kirchlichen Würdenträger massakriert hatte und verdonnerte Henry dazu, sich im Büsserhemd öffentlich geisseln zu lassen. Der Imageschaden für den bis dahin sehr beliebten englischen König war enorm.

Egal ob Henry den Tötungsbefehl jetzt versehentlich oder absichtlich gegeben hat, er trug auf jeden Fall eine Mitschuld am Tod Beckets. In einer Zeit, in der es üblich geworden ist, dass selbst Politiker in den sozialen Medien Gewaltaufrufe tolerieren oder im schlimmsten Fall noch unterstützen, ist es wichtig, sich an Henry und Becket zu erinnern. Wer Menschen aufhetzt und sie zu Gewalttaten anstiftet, nimmt in Kauf, dass diese tatsächlich umgesetzt werden. Egal ob man jetzt auf Facebook jemanden mit Vergewaltigung droht oder auf Twitter das Anzünden von Asylheimen gutheisst; es ist einfach nur widerlich und verwerflich.

Das gilt auch für Gewaltaufrufe, die an den Wänden und auf dem Dach der Reitschule zu lesen sind. Auch sie mögen nur provokativ oder überspitzt gemeint sein. Aber wehe uns, wenn sich an diesen achtlos geschriebenen Worten die niederen Instinkte eines Menschen entzünden