Christine Blum wird Grossrätin und stellt sich vor

in 03.2017/SP Melchnau von

Nachdem Pierre Masson seinen Rücktritt aus dem Grossen Rat bekannt gegeben hat, erhalte ich die Chance ab September 2017 als neues Mitglied aufgenommen zu werden. Neben Adrian Wüthrich und Reto Müller, den beiden weiteren SP-Grossräten aus dem Oberaargau, kann ich somit die SP Frauen der Region vertreten. Mit Jahrgang 1958 gehöre ich zur Generation, die auf viele persönliche und berufliche Erfahrungen zurückblicken kann. Ich bin verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Töchtern und bereits Grossmutter. Ursprünglich habe ich die Ausbildung zur Lehrerin gemacht, danach zur Heilpädagogin und während dreizehn Jahren leitete ich die Heilpädagogische Schule Oberaargau in Langenthal.

Seit August 2016 hat sich mein Berufsfeld in den Kanton Aargau verlagert. In der Stiftung Schürmatt Zetzwil bin ich verantwortlich für den Bereich Schule + Therapie. Dort habe ich die Chance, in einem grossen Betrieb mit vielen unterschiedlichen Bereichen neue Einblicke in die Realität der gesellschaftlichen Bedingungen von Menschen mit einer Beeinträchtigung zu erhalten. Meine langjährigen beruflichen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass im Bereich der Integration und Gleichberechtigung von Menschen mit einer Beeinträchtigung weiterhin grosser Handlungsbedarf besteht.

Mit viel Interesse habe ich bisher die Entwicklungen insbesondere im Bereich der Kinder und Jugendlichen verfolgt, und ich freue mich, zukünftig aktiv mitzugestalten als Teil der SP-Fraktion im Grossen Rat. Gerne schildere ich im Folgenden meine wichtigsten Anliegen, die es aus meiner Sicht im Kanton Bern zu verfolgen gilt. Im Bereich der Kinder und Jugendlichen soll der Zugang zur Bildung in integrativen Settings längerfristig Realität werden, dabei steht nicht die Andersartigkeit als Hürde im Vordergrund, sondern es soll die Vielfalt der individuellen Ressourcen als Chance genutzt werden. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss als erstes die Angliederung der Sonderschule an die Volksschule erfolgen. Erste Richtungsentscheide wurden letztes Jahr gefällt, allerdings ist der Zeithorizont zur Umsetzung sehr weit entfernt.

Der eher langsame Prozess ermöglicht jedoch intensive Auseinandersetzungen mit der Sonderpädagogik, unterschiedliche Sichtweisen können verstanden und integriert werden. Die Chancen sind deshalb gut, dass die Erziehungsdirektion die Sonderpädagogik nach dem Zuständigkeitswechsel als wichtigen Teil der Volksschulbildung sehen wird. Ein wichtiger Baustein zur gelingenden Bildung ist ein gut ausgebautes und vernetztes Angebot an Unterstützung für die Familien, so wie es in Langenthal in der Institution SCHOIO Familienhilfe bereits in den Grundzügen praktiziert wird.

Allgemein gilt es, die Angebote im Bereich der Unterstützung und Begleitung im sozialen Bereich zu vernetzen, die Erreichbarkeit zu vereinfachen und Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Bei den Erwachsenen mit Beeinträchtigung hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt. Der Wechsel zur Subjektfinanzierung ist weiter fortgeschritten, eine erste Pilotgruppe erprobt die konkrete Umsetzung. Die damit verbundene Ermöglichung von Selbstbestimmung und Wahlfreiheit verlangt von allen Beteiligten ein grosses Umdenken. Einerseits erfahren Menschen mit einer Behinderung, dass sie nun vermehrt in Entscheidungsprozesse einbezogen werden und ihre Wünsche äussern dürfen. Andererseits müssen Angehörige, gesetzliche Vertreter und Mitarbeitende in Institutionen lernen, dass es selbstverständlich wird, Menschen mit einer Behinderung zu fragen und anzuhören, was diese sich wünschen. Das ist für viele Personen im Umfeld, die bis anhin meinten zu wissen, was für die Betreuten gut ist, neu und erfordert ein Umdenken.