Die Katerstrategie

in 03.2017/Kolumnen von

Ich mag keine Spinnen. Es gibt absolut keinen rationalen Grund dafür, aber mir graut vor den Viechern. Wenn ich eine sehe, muss ich mich immer beherrschen, nicht laut zu kreischen und hysterisch im Kreis zu rennen. Trotzdem widerstrebt es mir, sie zu töten. Sie können ja nichts dafür, dass sie acht Beine haben. Und viele Augen. Und dass sie sich so unheimlich bewegen. Und absolut widerlich aussehen. Abgesehen davon habe ich immer Angst, dass es eine „Big Mama Spinne“ gibt; eine riesige Tarantel, die mir nachts auflauert und mich auffrisst. (Ich habe „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“ gesehen. Ich weiss, wie das läuft!).

Dennoch will ich mich nun mal nicht mit einer Spinne im selben Raum aufhalten. Um dieses Dilemma zu lösen, habe ich eine Strategie entwickelt. Ich schnappe mir einen meiner Kater und mache diesen dann auf die Spinne aufmerksam. Wenn mein Kater die Spinne isst, so meine Argumentation, ist es schliesslich kein Mord. Sondern Natur.

Manchmal beschleicht mich der leise Verdacht, dass diese Strategie auch ganz gerne in der Wirtschaft angewendet wird. Da studieren die Verantwortlichen jahrelang und bekommen wenn möglich astronomisch hohe Boni oder Löhne ausbezahlt… und trotzdem sind sie oft nicht in der Lage, Lösungen für die Probleme zu finden, die sich in der Wirtschaft immer öfters stellen. Und wenn dann wieder irgendwo Menschen ihren Arbeitsplatz und damit auch ihre Existenzsicherung verlieren, ist niemand schuld, niemand verantwortlich. Dann sind es eben die Umstände oder der Markt oder die böse Digitalisierung. Natur eben.

Würden mehr Firmenbosse zu ihrer Verantwortlichkeit stehen, hätten wir vielleicht auch weniger Diskussionen über zu hohe Löhne. Und unsere Welt wäre ein bisschen ruhiger und friedlicher und würde sich ein bisschen gerechter anfühlen.