Fussball ist doof!

in 02.2018/Kolumnen von

Ich würde mich gerne nicht für Fussball interessieren, aber dummerweise zwingt die Gesellschaft mich dazu. Mal ehrlich, was soll ich denn machen, wenn alle nur noch von YB faseln, die Zeitungen voll sind mit Bildern von Männern in schwarz – gelben Trikots und selbst meine eher sportmuffeligen Buchhändlerkolleginnen plötzlich mit YB – Trüffel im Pausenraum auftauchen? YB verfolgt mich!
Das Schlimme daran ist: Es ist nicht vorbei. Bald kommt wieder die Zeit, in der man mit niemanden mehr einen trinken gehen kann, ohne dass dessen Blick am Fernseher im Hintergrund festklebt, die Zeit, in der man in irgendwelche Public Viewings stolpert, die Zeit, in der an Sitzungen die Anwesenden geistig abwesend sind, weil sie wie gebannt auf irgendwelche Liveticker starren. Die WM steht vor der Tür!
Wieso drehen Menschen durch, wenn es um Fussball geht? Und wieso gelten für Fussball immer andere Massstäbe? Wieso ist es beim Fussball egal, welche irrwitzig hohen Summen da hin und hergeschoben werden? Wieso ist es nicht wichtig, dass solche Anlässen in Ländern stattfinden, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen? Warum ist es okay, dass mit einem hohen finanziellen und körperlichen Einsatz Stadions ge-baut werden, die dann ungenutzt verfallen? Wieso akzeptiert man es, dass Fussball nach wie vor eine männerdominierte Sportart ist, in der es kaum Platz für Frauen gibt – es sei denn als schmückendes Beiwerk – geschweige denn einen offenen Umgang mit Homosexualität?
Wenn so viele Leute Freude daran haben, hat der Fussball doch schon seinen Daseinszweck erfüllt, säuselt mir mein innerer Buddha ins Ohr. Und vielleicht hat er ja Recht. Wenn ich mir ansehe wie chaotisch die Welt zur Zeit ist, hat es ja irgendwie noch was Beruhigendes, dass all diese Länder zumindest etwas teilen: Die Freude am runden Leder. Das lässt doch hoffen.
Und ich suche mir für die Zeit der WM ein nettes Sumpfloch. Vielleicht habe ich wenigstens dort meine Ruhe vor König Fussball.